Bei der Beschaffung geeigneter Hardware für den Betrieb von Linux
sind einige außerordentlich wichtige Besonderheiten zu berücksichtigen,
welche beim Einsatz von Windows-Systemen keine Rolle spielen:
Lauffähigkeit
Das zentrale Problem der Hardwarebeschaffung für Linux ist die Frage,
ob und wie die jeweiligen Komponenten von Linux unterstützt werden. Bei klassischen
Serverprodukten wie SCSI-Controllern, DAT-Laufwerken oder PostScript-fähigen
Laserdruckern gibt es mittlerweile zum Glück weniger Probleme als früher.
Anders sieht es dagegen bei Desktop-PCs und Laptops aus, welche meist
hochintegrierte Chipsätze haben, die im Monatsrhythmus vom Hersteller
durch die jeweils nächste - inkompatible - Generation ersetzt werden.
Auch Zubehör wie Chipkartenleser, Kameras, Scanner und Tintenstrahldrucker
kann Probleme bereiten, da die meisten Hersteller immer noch keine Linux-Unterstützung
bieten.
Unterstützung aller Funktionen
Um das Risiko des Kaufs einer ungeeigneten Hardware zu verringern, wird
in der Regel bei der Beschaffung vom Hardwarehersteller gefordert, dass die Geräte z.B.
"unter SuSE LINUX 9.1 lauffähig" sein müssen.
Die Praxis beweist, dass diese Festlegung viel zu ungenau ist. Einige Beispiele aus
unserer Erfahrung:
- Der Grafikchip eines PCs wurde zwar von Linux unterstützt, aber nur im primitiven
"Framebuffer"-Modus. Die Folge war ein deutlicher Performanceeinbruch
und eine Einschränkung in der Bildqualität. Außerdem funktionierte der Stromsparmodus
des Monitors und der Bildschirmschoner im Textmodus nicht.
- Der Chipsatz eines Mainboards funktionierte zwar, ließ aber keinen DMA-Betrieb
der Festplatte zu. Dies bedeutete einen Performanceverlust
um den Faktor 8 bis 10! Z.B. dauerte das Booten oder das Öffnen einer Datei zehnmal
so lange wie sonst üblich.
- Eine integrierte Netzwerkkarte ließ sich zwar betreiben, konnte aber nicht in
den "Wake-On-LAN"-Betrieb geschaltet werden. Dieses Feature wurde aber für
eine automatische Softwareverteilung benötigt.
- Ein RAID-Controller konnte nicht im RAID-Level 5 betrieben werden, da ansonsten
Linux nicht booten konnte.
Bei Reklamation dieser Missstände, hatten die Lieferanten entweder überhaupt keine
Lösung oder schlugen unausgereifte Lösungen mit unfertigen Treibern vor.
Manchmal wurde auch lapidar der Umstieg auf eine andere Linuxdistribution gefodert.
Wichtig ist also, das bereits beim Beschaffen der Hardware bei der Beauftragung des Lieferanten
sehr genau spezifiziert wird, in welcher Form Linux unterstützt werden muss!
Standardmäßige Unterstützung
Bei Linux werden - im Gegensatz zu kommerziellen Betriebsystemen - mit wenigen Ausnahmen
die Hardwaretreiber nicht durch die Hersteller sondern durch die Linux-Entwickler selbst erstellt.
Dies hat den Vorteil, dass bei der Installation keine Treiber-CDs benötigt werden.
Außerdem sind die Treiber optimal mit dem System verträglich und gefährden deshalb nicht
dessen Stabilität.
Hardware, die sich an gängige und offene Industriestandards hält, wird besonders gut
unterstützt und ist deshalb zu bevorzugen. Ein Betrieb ist dann über alle Linux-Distributionen
und Versionen hinweg problemlos. Beispiele dafür sind:
- SCSI-RAID-Controller können unter Linux wie normale Festplatten betrieben werden.
- PostScript-Drucker können unter Linux ohne Treiber direkt angesprochen werden.
- USB-Digitalkameras vom Type "Storage-Device" können unter Linux wie
eine Festplatte angesprochen werden (ohne zusätzlichen Treiber).
Manche Hersteller kreieren aus Kosten- oder strategischen Gründen eigene
Standards, die zudem meist geheim gehalten werden. Beispiele:
- Billige IDE-RAID-Controller (z.B. Fastrack) lagern die Hauptfunktionen
in den dann sehr komplexen Treiber des Betriebsystems aus - ohne dass der Hersteller
einen Treiber für Linux liefert.
- GDI-Drucker (Windows-Drucker) erfordern einen sehr komplexen Treiber,
da der Drucker - aus Kostengründen - nur eine sehr rudimentäre Software
eingebaut hat. Der Hersteller liefert weder Linux-Treiber noch eine Spezifikation
der Schnittstelle für Entwickler.
- Bei USB-Digitalkameras mit proprietärem Übertragungsstandard wird für das Auslesen der Bilder
ein spezielles Programm vom Hersteller benötigt - welches nur für Windows geliefert
wird.
Für manche dieser Geräte gibt es Notlösungen für den Betrieb unter
Linux. Die Notwendigkeit des Rückgriffs auf solche Lösungen sollte
bereits bei der Hardwarebeschaffung vermieden werden!
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